Zum Leserbrief von Herrn M. Spinner, NN 2008-09-07
Zum Leserbrief von Herrn M. Spinner, NN 2008-09-07
Herr Meinrad Spinner, Parteigänger der Neumarkter CSU, hält sich gewiss für einen rational denkenden Menschen und meint uns Sozialdemokraten wegen eines Atom-Wahlplakats Schwachsinn, Verlust des Restes an Glaubwürdigkeit, Panik u. ä. vorwerfen zu sollen. Das ist sein gutes Recht, aber es beeindruckt uns nicht.
Zweifellos wird im Vorfeld von Wahlen zugespitzt, mitunter auch provoziert und in Neumarkt ist die CSU darauf hereingefallen. Mit dem – zugegeben provozierenden- Plakat wollen wir die politischen Mitbewerber zu klaren Aussagen über künftige Pfade der Energieversorgung, zu erneuerbaren Energien herausfordern und selbstverständlich auch zur Frage, wie es die CSU mit der Atomkraft hält.
Die CSU-Vertreter singen noch immer das Lied der Atomindustrie, sind deren zuverlässige Lobbyisten und setzen auch für die Zukunft auf Atomenergie, obwohl skandalöse, unfassbare Schlampereien im Atomlager Asse einmal mehr gezeigt haben, dass die Reden von der deutschen, weltweit sichersten Atomtechnologie Märchen sind. Nicht in der Ukraine oder im Iran gab es über Jahrzehnte ein unfassbares Maß an Inkompetenz und Schlamperei, sondern Mitten in Deutschland.
Es zeigt, dass Salzstöcke, die als Endlager für Atommüll über einen Zeitraum von Millionen Jahren präsentiert wurden, nicht geeignet sind.
Die ungelöste Endlagerfrage wird seit Jahrzehnten verschwiegen, verharmlost und vertuscht zugunsten phantastischer Profite der Energieversorgungsunternehmen.
Bezahlen müssen die Schlampereien in Asse wieder einmal die Steuerzahler, angeblich mehr als zwei Milliarden Euro. Asse ist deswegen auch ein anschauliches Beispiel für die Mär einer angeblich billigen Atomenergie. Seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts haben wir Steuerzahler in Deutschland rund 100 Milliarden Euro in die Erforschung der Kerntechnologie und den Bau von Meilern gesteckt – Steuergelder wohlgemerkt.
Das größte Manko der Atomtechnologie ist nach wie vor die ungelöste Problematik der sicheren Endlagerungen der nuklearen Hinterlassenschaft. Insgesamt 12 500 Tonnen hochradioaktiver Brennelemente sind inzwischen vorhanden, werden provisorisch zwischengelagert und mit jedem Betriebsjahr kommen zusätzliche Mengen hinzu.
Die CSU setzt weiter auf Atomkraft und will den Aktionären der Atomwortschaft weiterhin glänzende Rendite ermöglichen. Bei abgeschriebenen AKW´s ist dies möglich und an die Mär von dann preiswertem Atomstrom glauben inzwischen auch nur noch wenige Funktionäre der CSU.
Gerade Bayern hat Atomtechnik immer forciert, will aber mit der zwangsläufigen Konsequenz – der Endlagerung nämlich –nichts zu tun haben. Diese Doppelzüngigkeit wird nicht länger möglich sein und man wird fragen müssen, wo in Bayern denn die Endlagerung stattfinden soll. Da die Frage der Endlagerung von Atommüll nicht gelöst ist und gegebenenfalls auch nie gelöst werden kann, verbietet sich für jeden rational und verantwortungsbewusst handelnden Menschen jede Diskussion über eine längere Nutzung der Atomkraftwerke.
Der Flugverkehr ist schließlich auch nur regel- und verantwortbar, weil es Start- und Landebahnen gibt. Bei der Atomwirtschaft gibt es keine Landebahnen und vielleicht wird es sie auch nie geben. Trotzdem will die CSU und möglicherweise auch Herr Spinner immer mehr Flugzeuge starten lassen.
Helmut Himmler
Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion
Homepage SPD Kreisverband Neumarkt