Ein System der Gier

Veröffentlicht am 04.09.2016 in Wirtschaft

„Muss ein Hartz-IV-Empfänger am Potsdamer Platz wohnen?“, fragt einer der Protagonisten im Dokumentarfilm „Die Stadt als Beute“. Filmemacher Andreas Wilcke hat vier Jahre lang den Immobilienboom in Berlin beobachtet – und zeigt eindringlich, wie Wohnraum zur Ware verkommt.

„Die Stadt als Beute“ heißt ein neuer Dokumentarfilm, der den Immobilienboom in Berlin schildert. Der Filmemacher Andreas Wilcke hat internationale Makler, Investoren und Kaufinteressenten bei ihrer Schnäppchenjagd begleitet und kontrastiert dies mit der Situation von Mietern, die mehr und mehr aus den attraktiven Innenstadtbezirken verdrängt werden.
Vor vier Jahren ist Wilcke das erste Mal mit der Kamera losgezogen. Damals sei „noch von einem entspannten Wohnungsmarkt die Rede“ gewesen, erzählt der Filmemacher, der seit 20 Jahren in Friedrichshain lebt.
Auf Immobilienkongressen traf er Makler und Spekulanten, die sich über die Verwertung des Immobilien-Marktes ausgetauscht haben: „Muss ein Hartz-IV-Empfänger am Potsdamer Platz wohnen?“, fragt einer der Protagonisten im Film. „Wir können nicht an den Schwächsten der Gesellschaft ausrichten, wie sich die Stadt entwickeln soll“, lautet eine andere Aussage.
Für Wilcke spiegeln diese Aussagen letztendlich nur das wieder, „womit wir alle leben“. Denn: „Es ist ein Klassendenken vorhanden, bei jedem von uns. Wir werden ja darauf trainiert, unsere Ellenbogen einzusetzen, uns zu optimieren, rationalisieren. Das finde ich das Haarsträubende.“
Quelle: Deutschlandradio Kultur

 
 

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