Orte des Erinnerns schaffen – demokratische Tugenden und politischen Mut stärken und würdigen

Veröffentlicht am 10.06.2008 in Ratsfraktion

Neumarkt/Pyrbaum - Der Berger Bürgermeister und Vorsitzende der SPD – Kreistagsfraktion Helmut Himmler hat in der letzten Fraktionssitzung der Sozialdemokraten aus dem Landkreis im Rathaus des Marktes Pyrbaum vorgeschlagen und gefordert, Straßen in den Städten und Gemeinden im Landkreis Neumarkt nach Otto Wels zu benennen.

Ursprünglich hatte SPD – Kreisrat Erwin Jung die Benennung des Gymnasiums Parsberg nach dem Vorsitzenden der SPD – Fraktion im Berliner Reichstag angeregt, der im Namen seiner Reichstagsfraktion vor nunmehr 75 Jahren am 23. März 1933 die Ablehnung des Nationalsozialismus und des „Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich“ (sog. Ermächtigungsgesetz) begründete.

Otto Wels wurde 1873 in Berlin geboren und starb 1939 im Exil in Paris. Er war
zeitweise in Regensburg als Tapezierer tätig.
Da die Benennung einer Schule stets der Anregung und Unterstützung durch
Schulleitung, Lehrerschaft sowie von Eltern und Schülern bedarf, ist die
Benennung einer Bildungseinrichtung nach Wels eher unwahrscheinlich.
Daher wollen sich die SPD – Kommunalpolitiker auf die Benennung von Straßen,
Plätzen oder Gebäuden in den Städten, Gemeinden und Marktgemeinden
konzentrieren.
Der 23. März 1933 gilt als der schwärzeste Tag des deutschen Parlamentarismus, denn mit Ausnahme der SPD haben alle anderen Reichstagsfraktionen dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt und damit die Demokratie zerstört.
Die Parteien der Weimarer Republik sind deshalb nach dem Zusammenbruch
des NS – Regimes in der Bundesrepublik mit geänderten Namen aufgetreten,
während die SPD ungebrochen zu ihrer Geschichte stehen konnte.
Otto Wels und seine noch im Reichstag verbliebenen 93 Fraktionskollegen –
mehr als zwei Dutzend Abgeordnete der SPD waren bereits von den Nazi –
Schergen festgenommen worden oder wurden an der Teilnahme der
denkwürdigen Reichstagssitzung in der Kroll – Oper gehindert – widersetzten
sich der Selbstenthauptung des Reichstags und damit der Ermächtigung der
Nationalsozialisten zur Einführung der Diktatur.
Auch die gesamte kommunistische Fraktion konnte an der Abstimmung nicht
mehr teilnehmen.

Kreisvorsitzende Carolin Braun nannte die Rede von Otto Wels „die mutigste,
die je in einem deutschen Parlament gehalten wurde, denn er wusste, dass seine Worte für ihn Lebensgefahr bedeuteten.“
Es sei nach 75 Jahren selbstverständliche Verpflichtung, mit Otto Wels einem
großen und mutigen Demokraten auch im Landkreis Neumarkt Orte des
Erinnerns und Gedenkens zu geben.

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“
„Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig
und unzerstörbar sind, zu vernichten.“
Otto Wels

 
 

Homepage SPD Kreisverband Neumarkt

 

Besucher:370605
Heute:25
Online:2